Mehr als ein Name auf dem Kursplan: Das Vermächtnis von Les Mills Snr.

4 Bewertungen

Mit dem Tod von Les Mills Snr. am 29. Juni 2026 endete das Leben eines Mannes, dessen Einfluss auf die Fitnessbranche kaum zu überschätzen ist. Der ehemalige Olympionike, Unternehmer und langjährige Bürgermeister von Auckland wurde 91 Jahre alt. Sein Name ist heute zwar untrennbar mit einer der bekanntesten Fitnessmarken der Welt verbunden, doch seine eigentliche Leistung reicht weit über den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens hinaus.

Viele Entwicklungen, die heute in Fitnessstudios selbstverständlich erscheinen, gehen direkt oder indirekt auf Ideen zurück, die Les Mills und seine Familie über Jahrzehnte geprägt haben. Professionell konzipierte Gruppenfitnessprogramme, standardisierte Trainerausbildungen, wissenschaftlich fundierte Kurskonzepte und ein weltweit einheitliches Kurserlebnis – all das hat die Branche nachhaltig verändert.


Mehr als ein Name auf dem Kursplan: Das Vermächtnis von Les Mills Snr


Eine Vision, die ihrer Zeit voraus war


Als Les Mills gemeinsam mit seiner Frau Colleen 1968 das erste Fitnessstudio in Auckland eröffnete, sah die Fitnesswelt völlig anders aus als heute. Krafttraining war vor allem Leistungssportlern vorbehalten, Gesundheitsstudios waren selten und Gruppenkurse spielten nur eine untergeordnete Rolle.

Les Mills erkannte jedoch früh, dass Menschen langfristig erfolgreicher trainieren, wenn Motivation, Gemeinschaft und professionelle Anleitung zusammenkommen. Diese Überzeugung entstand nicht zufällig. Als vierfacher Olympiateilnehmer im Diskuswurf und Kugelstoßen wusste er aus eigener Erfahrung, welchen Unterschied qualifiziertes Coaching und ein motivierendes Umfeld machen können.

Aus einem einzelnen Studio entwickelte sich zunächst Les Mills New Zealand. Den entscheidenden Schritt auf die internationale Bühne machte später die nächste Generation. Sohn Phillip Mills und Jackie Mills gründeten Les Mills International und entwickelten aus den Erfahrungen der Studios ein weltweit skalierbares Konzept für Gruppenfitness.


Vom Aerobic-Boom zum globalen Qualitätsstandard


Während die Fitnessbranche in den 1980er-Jahren stark vom Aerobic-Trend geprägt wurde, verfolgte Les Mills International einen anderen Ansatz. Statt einzelne Trainer eigene Stunden gestalten zu lassen, setzte das Unternehmen auf einheitliche Programme mit festen Choreografien, sorgfältig ausgewählter Musik und wissenschaftlich entwickelten Trainingsmethoden.

Dieses Konzept war damals außergewöhnlich und entwickelte sich zu einem Meilenstein für die gesamte Branche. Heute gehören Programme wie BODYPUMP™, BODYCOMBAT™, BODYBALANCE™, RPM™, LES MILLS SPRINT™, LES MILLS CORE™ oder LES MILLS GRIT™ zu den bekanntesten Gruppenfitnessformaten weltweit.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist der hohe Qualitätsanspruch. Neue Releases erscheinen quartalsweise und werden kontinuierlich von Sportwissenschaftlern, Physiotherapeuten und internationalen Mastertrainern weiterentwickelt. Diese Verbindung aus Trainingswissenschaft, Motivation und Entertainment machte die Programme zu einem internationalen Erfolgsmodell.

Nach Unternehmensangaben werden Les Mills Programme inzwischen in mehr als 100 Ländern angeboten und erreichen Woche für Woche Millionen Teilnehmer. Damit gehört Les Mills International zu den weltweit größten Anbietern lizenzierter Gruppenfitnessprogramme.


Warum Les Mills die Fitnessbranche nachhaltig verändert hat


Der Einfluss des Unternehmens reicht weit über die eigenen Programme hinaus. Les Mills trug entscheidend dazu bei, dass Gruppenfitness zu einem zentralen Bestandteil moderner Fitnessstudios wurde.

Heute gelten hochwertige Kursangebote als wichtiger Faktor für Mitgliedergewinnung und langfristige Kundenbindung. Viele Studios investieren gezielt in moderne Kursräume, professionelle Licht- und Soundsysteme sowie die kontinuierliche Weiterbildung ihrer Trainer – Entwicklungen, die durch den Erfolg standardisierter Programme zusätzlich an Bedeutung gewonnen haben.

Auch die Rolle des Trainers hat sich verändert. Aus klassischen Vorturnern wurden Coaches, die Motivation, Technikvermittlung und Gemeinschaftserlebnis miteinander verbinden. Dieses Verständnis prägt die Gruppenfitness bis heute.


Digitalisierung als nächster Entwicklungsschritt


Schon lange bevor hybride Fitnessangebote zum Branchentrend wurden, investierte Les Mills International in digitale Trainingslösungen. Mit LES MILLS+ bietet das Unternehmen inzwischen eine Plattform, über die Mitglieder zahlreiche Programme unabhängig von Ort und Zeit absolvieren können.

Anstatt das Training im Studio zu ersetzen, verfolgt das Unternehmen dabei einen sogenannten Omnifitness-Ansatz: Digitale Angebote und Präsenztraining sollen sich sinnvoll ergänzen und Menschen dabei unterstützen, dauerhaft aktiv zu bleiben.


Fitness als gesellschaftliche Aufgabe


Für Les Mills war Fitness nie ausschließlich eine Frage körperlicher Leistungsfähigkeit. Er verstand Bewegung als gesellschaftlichen Auftrag und als Möglichkeit, Menschen ein gesünderes und selbstbestimmteres Leben zu ermöglichen.

Seine Haltung brachte er selbst in einem Satz auf den Punkt: „The purpose of the gym is to help people fall in love with fitness.“

Dieser Gedanke prägt die Unternehmenskultur bis heute und ist vermutlich einer der wichtigsten Gründe dafür, dass die Marke über Jahrzehnte hinweg erfolgreich geblieben ist.


Ein Leben voller Verantwortung


Neben seiner Tätigkeit als Unternehmer engagierte sich Les Mills auch außerhalb der Fitnessbranche. In den 1990er-Jahren war er über mehrere Amtszeiten Bürgermeister von Auckland und setzte sich unter anderem für Infrastrukturprojekte und die Weiterentwicklung der Stadt ein. 

Für seine Leistungen im Sport, in der Wirtschaft und im öffentlichen Leben erhielt er zahlreiche Ehrungen, darunter den Titel Member of the Order of the British Empire (MBE), später den Companion of the New Zealand Order of Merit (CNZM) sowie 2022 die Aufnahme in die New Zealand Business Hall of Fame gemeinsam mit Phillip und Jackie Mills.


Abschied von einem außergewöhnlichen Menschen


Nach dem Tod seines Vaters würdigte Phillip Mills dessen Lebenswerk mit bewegenden Worten: „Mein Vater war außergewöhnlich stark, zielstrebig und hatte stets ein tiefes Mitgefühl für weniger privilegierte Menschen. Er hat bei allen, denen er begegnet ist, einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sein Geist lebt in Fitnesskursen auf der ganzen Welt weiter und inspiriert Menschen, sich für Fitness zu begeistern.“


Ein Vermächtnis, das bleibt


Die Fitnessbranche verliert mit Les Mills Snr. einen ihrer großen Pioniere. Sein eigentlicher Beitrag lässt sich jedoch nicht allein an Unternehmenszahlen oder internationalen Standorten messen.

Sein größtes Vermächtnis ist die Veränderung einer ganzen Branche. Er trug dazu bei, dass Fitnessstudios zu Orten wurden, an denen Menschen nicht nur trainieren, sondern Motivation, Gemeinschaft und Lebensqualität erleben. Viele Standards, die heute selbstverständlich erscheinen, gehen auf Ideen zurück, die Les Mills und seine Familie über Jahrzehnte entwickelt und perfektioniert haben.

Auch künftig wird sein Name weltweit auf Kursplänen stehen. Vor allem aber wird seine Philosophie weiterleben – überall dort, wo Menschen gemeinsam trainieren, sich gegenseitig motivieren und entdecken, wie positiv Bewegung das eigene Leben verändern kann.



Redaktion fitnessmarkt.de

Quelle und Bildquelle: Fitness-Experte AG

Veröffentlicht am: 6. Juli 2026

Bewerte diesen Magazinartikel:
Verwandte Artikel