Während Fitnessmessen Leistung, Disziplin und sichtbare Ergebnisse feiern, gibt es menschliche Körper, die sich dieser Logik entziehen. „Ein häufiges Missverständnis ist, dass Betroffene einfach mehr Sport treiben müssten, um abzunehmen“, sagt Laura Bernunzo, Lipödem-Coach bei S-thetic. Für sie ist genau das der zentrale Irrtum, mit dem viele Frauen kämpfen. Auf der FIBO in Köln will sie Aufklärung leisten und eine Debatte öffnen, die zwischen Trainingsoptimierung, medizinischer Realität und falschen Erwartungen verläuft.

S-thetic ist dieses Jahr erneut auf der FIBO vertreten. Was hat euch dazu bewegt, wieder dabei zu sein?
Wir haben im vergangenen Jahr eine sehr positive Resonanz erhalten und viele ermutigende Rückmeldungen bekommen. Besonders wichtig war uns, das Thema Lipödem weiter in den Fokus zu rücken und die Sichtbarkeit für diese Erkrankung zu erhöhen. Gerade auf einer Fitnessmesse wie der FIBO treffen wir viele Frauen, die über Jahre hinweg intensiv Sport treiben, jedoch nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen. Genau hier möchten wir aufklären: Ein gesunder Lebensstil mit Sport und Ernährung ist essenziell, aber es gibt Erkrankungen wie das Lipödem, bei denen bestimmte Körperbereiche trotz aller Bemühungen nicht auf herkömmliche Weise reagieren.
Was erwartet ihr euch konkret von eurer Präsenz auf der FIBO 2026?
Unser Ziel ist es, das Bewusstsein für das Lipödem weiter zu stärken und betroffene Frauen umfassend zu informieren. Wir möchten zeigen, dass es Möglichkeiten gibt, aktiv etwas zu unternehmen. Gleichzeitig möchten wir unsere Methode bekannter machen: die Liposuktion in Lokalanästhesie. Diese kommt ohne Vollnarkose aus, wird ambulant durchgeführt und ermöglicht eine deutlich kürzere Ausfallzeit. Zusätzlich wird die Haut mittels Laser gestrafft, was das Behandlungsergebnis weiter verbessert.
Welche Missverständnisse begegnen euch im Zusammenhang mit Lipödem und Sport?
Ein häufiges Missverständnis ist, dass Betroffene einfach mehr Sport treiben müssten, um abzunehmen. Viele Frauen haben diese Erfahrung gemacht und wurden entsprechend stigmatisiert. Beim Lipödem handelt es sich jedoch um krankhafte Fettzellen, die nicht am normalen Stoffwechsel teilnehmen. Zwar kann ein Kaloriendefizit zu einer allgemeinen Gewichtsabnahme führen, jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt. Die betroffenen Areale bleiben bestehen, da diese Fettzellen nicht auf herkömmliche Weise reduziert werden können. In solchen Fällen kann langfristig nur eine Liposuktion helfen.
Was berichten eure Patientinnen über ihre Erfahrungen mit Sport vor und nach der Diagnose?
Viele unserer Patientinnen – darunter auch zahlreiche Lipödem-Coaches – sind sehr sportlich. Vor der Diagnose haben sie häufig ein hohes Trainingspensum verfolgt, ohne die gewünschten Ergebnisse zu sehen. Nach der Diagnose reduzieren viele ihr Sportpensum bewusst, da sie verstehen, dass sich das Lipödem nicht „wegtrainieren“ lässt. Patientinnen, die bereits operiert wurden, berichten hingegen sehr positiv: Nach den Eingriffen werden sportliche Erfolge wieder sichtbar, insbesondere Muskeldefinition. Da das krankhafte Fett entfernt wurde, kann der Körper wieder effektiver auf Training reagieren. Zudem berichten viele von weniger Beschwerden, mehr Bewegungsfreiheit und einer insgesamt leichteren und unbeschwerteren sportlichen Aktivität.

Gibt es Sportarten, die sich für Lipödem-Betroffene besonders gut eignen? Gibt es Trainingsformen, die eher kontraproduktiv sein können?
Unsere Beobachtungen zeigen, dass intensives Krafttraining mit sehr schweren Gewichten nicht immer förderlich ist. Durch den Muskelaufbau kann die Lipödem-Fettschicht nach außen gedrückt werden, was optisch zu einer Volumenzunahme führen kann. Da das krankhafte Fett nicht reduziert wird, wirkt der Körper insgesamt breiter. Schonendere Trainingsformen wie Pilates, Yoga oder Bodyweight-Training haben sich hingegen als positiv erwiesen. Sie unterstützen das Bindegewebe und die Faszien und wirken sich zudem weniger stark auf den Kortisolspiegel aus als sehr intensive Trainingsformen wie HIIT.
Welche Rolle spielt Sport auch mental im Umgang mit Lipödem?
Sport spielt sowohl körperlich als auch mental eine zentrale Rolle im Umgang mit Lipödem. Bewegung unterstützt das Lymphsystem, fördert die Durchblutung und trägt zur allgemeinen Fitness bei. Gleichzeitig wirkt sich Sport positiv auf die mentale Gesundheit aus: Er stärkt das Selbstbewusstsein, fördert ein positives Körpergefühl und hilft dabei, einen klareren und stabileren Umgang mit der Erkrankung zu entwickeln. Viele Betroffene berichten, dass Sport ihnen Struktur, Motivation und emotionale Stabilität gibt und sie auf ihrem Weg mit der Erkrankung begleitet.
Was möchtet ihr Besucherinnen und Besuchern konkret mitgeben, die euch am Stand treffen?
Uns ist besonders wichtig zu vermitteln, dass Betroffene keine Schuld an ihrer Erkrankung tragen. Das Lipödem ist eine medizinische Diagnose und kein persönliches Versagen. Gleichzeitig möchten wir Mut machen: Die Erkrankung ist nicht das Ende, sondern es gibt Lösungen. Unsere Patientinnen und Coaches zeigen eindrucksvoll, dass nach einer Behandlung wieder ein aktives, beschwerdefreies Leben möglich ist. Wir empfehlen, sich in Ruhe mit dem Thema auseinanderzusetzen und zunächst konservative Maßnahmen zu prüfen. Sollte eine Liposuktion in Betracht gezogen werden, möchten wir die Angst davor nehmen: Der Eingriff ist heutzutage schonend und kann eine echte Perspektive für mehr Lebensqualität bieten.
Über Laura Bernunzo:
Laura Bernunzo ist Leiterin des Geschäftsbereiches Lipödem bei S-thetic und Lipödem-Coach.
Quelle: S-thetic Holding GmbH
Bildquellen: S-thetic Holding GmbH / #62419310 freepik.com
Veröffentlicht am: 7. April 2026