In deutschen Unternehmen sind körperliche Erkrankungen längst enttabuisiert: Wer Husten oder Fieber hat, bekommt Verständnis und Genesungswünsche. Ganz anders sieht es noch immer bei psychischen Belastungen aus. Hier herrschen Zurückhaltung, Unsicherheit oder Schweigen – obwohl mentale Erkrankungen mitten in der Gesellschaft angekommen sind. Jährlich ist nahezu jede dritte Person in Deutschland betroffen.
Diese Diskrepanz zwischen Realität und Unternehmenskultur kennt Dr. Eva Elisa Schneider – Psychologin, Psychotherapeutin, Autorin und eine der sichtbarsten Stimmen für mentale Gesundheit im Arbeitskontext – aus jahrelanger Arbeit mit Organisationen aller Größen, vom jungen Start-up bis zum börsennotierten Konzern. Ihre klare Botschaft an HR und Führungskräfte: „Eigentlich haben wir ja schon unglaublich viele Möglichkeiten. Wir müssen einfach nur loslegen und starten.“ Doch wie wird aus guten Absichten ein echter Hebel für Unternehmenserfolg? Und wie schafft HR es, mentale Gesundheit dauerhaft im Arbeitsalltag zu verankern?

Teamkultur als Fundament für mentale Stärke
Eine offene Teamkultur kann den entscheidenden Unterschied machen. Wie kraftvoll psychologische Sicherheit wirkt, zeigt ein persönliches Beispiel von Eva Schneider: „Ich habe meinem Team gesagt, dass ich zur Therapie gehe. Und sofort wurde mir Rückhalt signalisiert. Plötzlich wurde meine Therapiezeit im Kalender respektiert.“ Solche Erfahrungen sind jedoch noch nicht selbstverständlich. In vielen Organisationen verhindern fehlendes Wissen, Unsichtbarkeit und tief verankerte Vorurteile eine offene Auseinandersetzung mit mentaler Gesundheit. Hinzu kommen vereinfachte Darstellungen und Halbwahrheiten aus sozialen Medien, die Verunsicherung eher verstärken als abbauen.
Dabei gilt: Verantwortung für mentale Gesundheit ist keine reine HR-Aufgabe. Sie entsteht im Zusammenspiel aller Beteiligten – wenn:
* Arbeitgeber:innen Fürsorge nicht nur versprechen, sondern vorleben
* Führungskräfte klar Position beziehen
* Teams einander aufmerksam begegnen und Gesprächsräume öffnen
Oder, wie Eva Schneider es treffend formuliert: „Nicht jede/r hat den gleichen Hebel, aber alle können im eigenen Wirkungsraum einen Unterschied machen.“
Entscheidend sind sichere Räume, ehrliche Kommunikation und der Mut, auch Verletzlichkeit zuzulassen. Besonders wirksam wird Mental Health dann, wenn HR diese Haltung durch klare Strukturen, Angebote und Sichtbarkeit unterstützt.
Von der Theorie in die Praxis: Mental Health im Arbeitsalltag verankern
Gesundheitsleitlinien und interne Richtlinien gibt es inzwischen in vielen Unternehmen. Doch Papier allein verändert nichts. Kultur zeigt sich im Alltag – im Verhalten von Führungskräften, in Meetings und im Umgang mit Belastungsspitzen.
Eine glaubwürdige Haltung entsteht dann, wenn Führungskräfte selbst Grenzen setzen, Pausen respektieren und gesundes Verhalten nicht nur erlauben, sondern wertschätzen. Der Wandel geht dabei klar in Richtung Prävention: Weg vom reinen Reagieren auf Ausfälle, hin zum frühzeitigen Erkennen von Belastungen.
HR spielt hier eine Schlüsselrolle, indem gemeinsam mit Führungskräften tragfähige Strukturen geschaffen werden, zum Beispiel durch:
* regelmäßige Stimmungs- und Pulsbefragungen
* kurze, offene Check-ins in Teamrunden
* transparente Anlaufstellen für Feedback und Unterstützung
So werden abstrakte Regelwerke zu praktischen Leitplanken und mentale Gesundheit wird im Arbeitsalltag tatsächlich erlebbar.
Um mentale Gesundheit nicht nur zu thematisieren, sondern aktiv zu fördern, brauchen Unternehmen niedrigschwellige Angebote, die Mitarbeitende selbstbestimmt nutzen können. Ganzheitliche Corporate-Wellbeing-Lösungen wie EGYM Wellpass verbinden Bewegung, Entspannung und mentale Regeneration – und unterstützen damit genau die präventive Ausrichtung, die moderne HR-Arbeit heute braucht.
Drei zentrale Hebel für nachhaltigen Kulturwandel
Damit mentale Gesundheit nicht bei gut gemeinten Kampagnen stehen bleibt, braucht es drei zentrale Bausteine:
Kompetenzen aufbauen
Gespräche über Belastung zu führen, Warnsignale zu erkennen und empathisch zu reagieren, ist kein Selbstläufer. Diese Fähigkeiten lassen sich trainieren – am wirksamsten durch praxisnahe Formate wie Rollenspiele, Workshops und kollegiales Feedback. Eva Schneider bringt es auf den Punkt: „Das ist ein Handwerk am Menschen. Theorie allein reicht nicht.“
Haltung sichtbar leben
Führungskräfte prägen Kultur. Authentizität, Nahbarkeit und punktuelle Offenheit schaffen Vertrauen, ohne dass private Details preisgegeben werden müssen. Schon kleine, ehrliche Einblicke senken Hemmschwellen und fördern den Dialog.
Mental Health entlang des Employee Lifecycles integrieren
Von der Stellenausschreibung über das Onboarding bis hin zum Exit-Gespräch: Mentale Gesundheit sollte überall mitgedacht werden. Wer Angebote, Werte und Haltung konsequent sichtbar macht, zeigt, dass es sich um einen festen Bestandteil der Unternehmenskultur handelt, nicht um ein Randthema.
Mental Health in der Praxis: 7 konkrete Schritte für HR
1. Eigene Haltung reflektieren und sichtbar vorleben
2. Gesundheits-Policies gemeinsam mit Teams entwickeln
3. Regelmäßige Awareness-Formate und Informationsangebote etablieren
4. Führungskräfte gezielt in Mental-Health-Kompetenzen schulen
5. Strukturen zur Früherkennung von Belastungen einführen
6. Mentale Gesundheit aktiv im Employer Branding kommunizieren
7. Erfolge, Learnings und positive Beispiele im Unternehmen teilen
Mentale Gesundheit als echter Wettbewerbsvorteil
Unternehmen, die Mental Health lediglich als Wohlfühlthema betrachten, lassen enormes Potenzial ungenutzt. Eine strategisch verankerte, präventive Mental-Health-Kultur steigert Motivation, Bindung und Innovationsfähigkeit – und wird zunehmend zum entscheidenden Faktor im Wettbewerb um Talente.
Wer heute investiert, stärkt nicht nur die Leistungsfähigkeit der Organisation, sondern auch das Vertrauen der Mitarbeitenden, langfristig und nachhaltig.
Redaktion fitnessmarkt.de
Quelle: EGYM Wellpass GmbH
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Veröffentlicht am: 3. Februar 2026