Indoor-Cycling- Trends 2022

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Die Digitalisierung schreitet voran

Peloton, Echelon Fit und das Konzept von Technogym in Kooperation mit dem Londoner Boutique-Studio „1Rebel“ haben durch die Covid-19-Pandemie Hochkonjunktur. Und Cycling-Studios wie das „Swerve“ in New York vermieten jetzt Bikes für zu Hause. Wir geben Ihnen einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen im Bereich Indoor Cycling.


Durch Covid-19 hat sich die Digitalisierung in der Fitnessbranche extrem beschleunigt. In kürzester Zeit gingen viele Boutique- und Fitnessstudios dazu über, Kurse online anzubieten. Auch Cycling-Kurse haben sich längst auf Online-Plattformen wie wexer oder Zwift verlagert und die Angebote werden immer professioneller. Das Rad wird sich kaum zurückdrehen lassen. Ganz im Gegenteil ist zu erwarten, dass im Jahr 2022 Online-Angebote weiter zunehmen werden. „Der Trend der digitalen Unterstützung von Gruppenkursen wird sich weiterhin verstärken“, sagt auch Andreas Fischer, General Manager der ICG. „Es geht hier um die Optimierung der Trainingsergebnisse sowie die Steigerung der Trainingserlebnisse. Zudem werden die fachlichen und persönlichen Kompetenzen der Instruktoren wichtiger als je zuvor.“ Während der Pandemie hatten Firmen wie Peloton, Echelon Fit und Technogym Hochkonjunktur. Ihre internetfähigen Bikes, mit denen Cycling-Kurse live aus angesagten Boutique-Studios aus aller Welt in die Wohnzimmer der Pandemiegeplagten gebracht wurden, haben einen neuen Boom ausgelöst. Plötzlich ist es chic zu Hause zu trainieren.


Per Livestream in London oder New York trainieren

Das Unternehmen Peloton mit Sitz in New York wurde 2012 gegründet. In den USA hat der Anbieter mit seinen internetfähigen Bikes, das Cycling-Kurse live und on demand aus den angesagten Boutique-Studios in London und New York überträgt, schon vor der Pandemie einen Boom ausgelöst und ist rasant gewachsen – auch aufgrund intensiver Marketingkampagnen. Während der pandemiebedingten Lockdowns ist der Umsatz noch einmal stark gestiegen. Teilweise waren die Bikes nicht mehr lieferbar. In Deutschland ist Peloton seit 2019 aktiv und hat aktuell Shops in 22 Städten wie zum Beispiel Berlin, Hamburg, Köln, Düsseldorf, Hannover, München und Frankfurt. Dort kann man die Fahrräder testen. In Deutschland hat Peloton, was den Service betrifft, allerdings einen nicht so guten Ruf. In Bewertungen bei Trust Pilot hagelt es immer Traiwieder Kritik. Besonders der Kundenservice in Deutschland und defekte Bikes, die nicht oder zu spät ausgetauscht wurden, werden bemängelt.

Der Preis von ehemals 2.145 Euro ist mittlerweile auf 1.495 Euro gesunken. Um live oder on demand an Kursen in Londoner oder New Yorker Studios teilnehmen zu können, werden monatlich zusätzlich 39 Euro für eine Mitgliedschaft fällig. Dazu kommen noch 340 Euro für ein Set mit dazugehörigem Equipment wie Klickschuhen, Hanteln, Matte, Kopfhörer und Herzfrequenzmessgerät. Wer das Bike ordert, bekommt es zu Hause aufgestellt und eingerichtet. Die meisten Videos und Livestreams stammen derzeit aus dem englischen Sprachraum. Es gibt nur wenige deutschsprachige Trainer, deshalb ist das deutschsprachige Angebot noch begrenzt. Manche Cycling-Kurse haben aber deutsche Untertitel.


Live mit der Community im „1Rebel“ trainieren

Mittlerweile hat Peloton Konkurrenz von Technogym und Echolon Fit bekommen. Das „Technogym-Bike“ bietet Livekurse und Videos on demand aus angesagten Boutique-Studios wie dem „1Rebel“ in London und dem „Revolution“ in Mailand. Das Bike kostet 2.950 Euro inklusive Kleinhanteln. Monatlich werden 29 Euro für das Streaming-Angebot fällig. Das „1Rebel“ ist ein sehr angesagtes Boutique-Studio mit mehreren Filialen in London. Die Rides werden aus dem Studio im Londoner Stadtteil Viktoria übertragen. In dem futuristisch anmutenden Studio stehen 86 Bikes auf drei Etagen parat, um bei lauter Partymusik interaus einer 3-D-Soundanlage und Diskobeleuchtung den Teilnehmern Unterhaltung pur zu bieten.


Die ersten smarten Bikes stehen schon in Studios

Die Bikes mit ihren Live- und On-demand- Kursen wurden zwar ursprünglich für den Heimtrainingsmarkt entwickelt, stehen mittlerweile aber auch in Fitnessanlagen. Technogym hat bereits Fitnessstudios ausgestattet und auch Echelon Fit hat die ersten Bikes bereits aufgestellt. „Wir haben die ersten Bikes jetzt schon an Fitnessanlagen wie z. B. Fitness First geliefert“, sagt Christian Halbig, Vertriebsleiter der Echelon Fit GmbH in Hamburg. Er geht davon aus, dass Streaming zukünftig auch eine größere Rolle in Fitnessanlagen spielen wird. „Live- und On-demand-Angebote werden das Produktportfolio der Fitnessclubs erweitern“, sagt Halbig. Das „Echelon Bike Connect EX5S“ kostet 1.999 Euro. Monatlich werden für das Streaming 39 Euro berechnet. Die Livekurse werden in den Studios von Echelon Fit in Deutschland oder weltweit gefilmt und sind wenige Stunden nach der Aufzeichnung in der App verfügbar, in der die Kurse nach Kurslevel, Dauer, Musikstil und Trainer ausgewählt werden können.


Indoor Cycling wird hybrid

Der Vertriebsleiter der Echelon Fit GmbH glaubt, dass „es in Zukunft ein Hybridmodell geben wird“. Der Trend geht dahin, dass Heim- und Studiotraining zukünftig kombiniert werden. Wer jetzt sein eigenes Bike zu Hause hat, wird es auch weiterhin nutzen. Allerdings werden viele auch in die Cycling-Kurse ins Studio zurückkehren, denn der soziale Faktor und das tatsächliche Erlebnis in einem Kurs direkt vor Ort lassen sich nicht so leicht ersetzen. Auch Fischer sieht den Trend, „dass viele Mitglieder das Training zu Hause als Ergänzung zum Training im Studio nutzen werden – die Menschen möchten flexibler sein. Es wird hier eine Symbiose stattfinden, d. h. eine optimale Kombination von beidem.“

Peloton hat in New York jetzt ein eigenes Studio. Dort sind 60 Peloton-Bikes aufgestellt. Aus dem Studio werden nicht nur Kurse live aus einem Kontrollzentrum im Keller an die Fahrer zu Hause übertragen. Wer sich das Bike nicht selber zulegen möchte, kann direkt im Studio vorbeikommen und mitmachen. Fischer sieht in den neuen internetfähigen Bikes für Studios keine Konkurrenz: „Gerade während der letzten 18 Monate hat sich im Bereich Heimfitness einiges getan. Dennoch kann diese Bewegung auch als Chance für den gewerblichen Fitnessmarkt gesehen werden, da ein digitaler Trainer einen echten Instruktor sowie das Erlebnis in einem Kurs mit anderen Teilnehmern nicht ersetzen kann. Aber es stellt einen guten Einstieg dar, welcher die Barriere des ersten Schrittes in den Kursbereich potenziell entfernen könnte.“


Streaming-Plattformen und Apps erweitern das Angebot

Neben den internetfähigen Bikes haben sich während der Pandemie Internetplattformen und Apps etabliert, die zunächst das Training zu Hause ermöglichten, jetzt aber auch als Lösungen für die weitere Digitalisierung in Fitnessstudios eingesetzt werden. Die Streaming-Plattform wexer bietet nicht nur Livekurse und Groupfitness on demand, sondern auch eine spezielle Software namens „Intelligent Cycling“. Über einen Bildschirm schickt wexer die Teilnehmer auf eine futuristisch anmutende Reise. Durch den Einsatz von Augmented Reality werden verschiedene Aufnahmen automatisch überlagert, sodass kein Kurs dem anderen gleicht, selbst wenn das Fahrprofil gleich bleibt. Genutzt wird „Intelligent Cycling“ nicht nur von zu Hause, sondern auch in Fitnessanlagen. Dort wird der Kurs dann live auf eine große Leinwand übertragen. Das 2019 fertiggestellte cloudbasierte Cycling-Programm stammt von der gleichnamigen dänischen Firma Intelligent Cycling, die von Peter Møller Hansen, Brian Overkær und Anders Willemoes Hansen gegründet wurde und die nicht nur mit wexer, sondern auch mit Schwinn, Bodybike, Kieser und Wattbike kooperiert.


Trend zur Individualisierung

Die dänischen Entwickler konzentrieren sich auf digitale Trainingslösungen, die die Bedürfnisse von Clubbesitzern, Trainern und Clubmitgliedern sowohl innerhalb als auch außerhalb des Studios erfüllen. Dabei geht es darum, das Training zu individualisieren und Angebote für unterschiedliche Zielgruppen vom Rennradfahrer über den Mountainbiker bis hin zum Triathleten bereitzustellen. „Der Trend zur Individualisierung wird stärker“, sagt Halbig. „Der Konsument entscheidet, wann und wo er trainiert.“

Neben dem Trend zu individuelleren Angeboten wollen die Macher von Intelligent Cycling dazu beitragen, die Bikes in den Studios optimal auszulasten, indem On-demand-Inhalte, Streaming von virtuellen Livekursen und VR-fähiges Indoor Cycling angeboten werden. Dabei können Mitglieder über ihr Smartphone die Online-Kurse durch einen Virtual Player selbst aktivieren. Das Programm bietet neben etlichen bereits vorchoreografierten Kursen die Möglichkeit, dass Trainer aus Hunderten vorgefertigten Trainingseinheiten ihr eigenes Workout zusammenzustellen und dadurch Zeit bei der Vorbereitung sparen. Ein neues Feature gibt über die dazugehörige App sogar ein Trainings-Feedback in Echtzeit. Dabei geht es nicht darum, den Trainer zu ersetzen, sondern darum, die virtuellen Kurse auch zu nutzen, damit Trainer die Möglichkeit haben, ihre Kunden individuell zu coachen. Mittlerweile wird die Software der Dänen in mehr als 1 000 Fitnessstudios in 141 Ländern genutzt.




Für Gamer: spielerischer Wettbewerb punktet

Andere Plattformen wie Zwift haben zusätzlich die Motivation durch den Spieltrieb im Fokus. Zwift ist eine amerikanische Streaming-Plattform, die aus dem Gaming-Sektor stammt. Das Team des Unternehmens besteht aus Fitness- Enthusiasten und erfahrenen Videospielentwicklern. Die Plattform nutzt eine Multiplayer-Online-Gaming-Technologie, um 3-D-Welten zu entdecken. Tausende von Radfahrern können weltweit in Spielwelten in Städten wie London, New York und Paris eintauchen. Die Leistung in der realen Welt treibt dabei den eigenen Avatar im Spiel an. Die User treten auf verschiedenen Strecken spielerisch gegeneinander an. Sie können mit dem Mountainbike offroad fahren oder sich mit dem Rennrad weltweit mit anderen Athleten im Zeitfahren messen. Ähnlich wie in einem Videospiel werden Bonuspunkte gesammelt, mit denen man neue Bikes oder Strecken freischalten kann. Die App selbst kann für 14,99 Euro im Monat genutzt werden. Für zu Hause oder für das Angebot im Studio braucht man einen Rollentrainer und kann dann mit dem eigenen Rad loslegen. In der Regel werden moderne Rennräder, aber auch Mountainbikes und Hybriden wie Gravel Bikes benutzt. Es gibt Trainingspläne für Rennradfahrer, Triathleten und speziell für Liebhaber von MTBs oder Gravel Bikes. Regelmäßig gibt es spezielle Events wie z. B. Radrennen, Sprints oder Enduro-Sessions.


Bikes für zu Hause mieten

Auch das Boutique-Studio „Swerve“ in New York setzt auf spielerischen Wettbewerb von Teams. Das Boutique-Studio hat in New York drei Filialen. Die Gründer Eric Posner, Chelsea Kocis und John Henry McNierney hatten die Idee, das Training im Team zu nutzen, um die Motivation und den Gemeinschaftssinn zu stärken. Ein Kurs dauert 45 Minuten; dabei werden die Rider in drei Teams (Rot, Grün und Blau) eingeteilt. Sobald man auf das Fahrrad steigt, lernt man seine Teamkollegen kennen. Das fördert das soziale Miteinander. Während der Session werden die Teilnehmer getrackt. Jeder kann seine eigenen Leistungsdaten sehen. Die Daten des Teams werden dann auf einem großen Bildschirm angezeigt. Laut den Gründern ist das Training intensiver, weil die Teilnehmer im Team motivierter sind.

Das Boutique-Studio hat den Trend zu hybriden Modellen früh erkannt. Statt seine Mitglieder ausschließlich für das Studio zu begeistern, hat „Swerve“ sein Hybridmodell bereits perfektioniert. Es hat ein eigenes Studio-Bike und das „Schwinn Power AC Indoor Bike“. Beide Bikes können auch gemietet werden. Wer also nicht in eins der drei Boutique- Studios in New York kommen will, der mietet sich einfach sein Bike, das zu Hause angeliefert und fertig installiert wird. Dadurch haben Mitglieder dasselbe System zu Hause wie im Studio. Sie können dann trainieren, wann und wo sie wollen, nutzen das Angebot live oder on demand, ob nur im Fitnessstudio, nur von zu Hause oder an beiden Orten kombiniert.


Cycling und Yoga oder Entertainment mit Karaoke

Die Coronapandemie hat den Stresspegel durch Homeschooling und Homeoffice erhöht. Achtsamkeitsmeditation und Yogakurse haben im Jahr 2021 einen großen Aufschwung erlebt. Der Verkauf von Yogaausrüstung hat während der Pandemie deutlich zugenommen. Warum also nicht nur Ganzkörperübungen und Krafttraining mit Cycling kombinieren, sondern auch Yoga. Genau das macht das Boutique-Studio „The Cycling Yogi“ in Colorado. Wer nicht weiß, ob er lieber Indoor Cycling oder Yoga machen möchte, kann hier einfach beides miteinander verbinden. Nach einer 30-minütigen Session auf dem Bike folgen 30 Minuten Vinyasa Yoga.

Damit Indoor Cycling nicht zu langweilig wird, sind nicht nur digitale Elemente zur Unterhaltung gefragt. Die New Yorker Franchisekette „Crunch“ setzt jetzt auf Karaoke und trainiert damit auch die Stimmbänder ihrer Kunden. Beim Cycle-Karaoke leitet ein Trainer den Kurs, während ein zweiter mit einem Mikrofon herumgeht, in das die Teilnehmer während der Fahrt singen. Auch ohne Mikrofon darf gerne mitgesungen werden.


Die Ansprüche an Trainer werden steigen

All diese Entwicklungen folgen im Grunde zwei Trends: dem der stärkeren Individualisierung und dem des maximalen Unterhaltungswerts. Die Erwartungen der Verbraucher, die über Online-Plattformen mit den besten Trainern der Welt in Kontakt kommen, werden rapide ansteigen. Mitreißende, gut ausgebildete, fachkundige und engagierte Trainer sind deshalb ein Alleinstellungsmerkmal für Studios. Zukünftige Trainer im Indoor Cycling werden nicht nur im Club, sondern auch online Kurse anbieten. Sie müssen individuell auf Kunden eingehen, sich mit digitaler Technik auskennen und am besten noch DJ sein. Da das Entertainment immer wichtiger wird, wird auch Musik beim Indoor Cycling immer wichtiger. Auch die Digitalisierung und die Gamifizierung werden zunehmen, denn es geht darum, Erlebnisse zu verkaufen.

Neue Spiele, gepaart mit In-Ear- Feedback von neuen High-End-Kopfhörern, die Umgebungsgeräusche integrieren können, Augmented-Reality- oder Mixed-Reality-Brillen, die Interaktionen und Echtzeit-Feedback ermöglichen, werden das Indoor Cycling zukünftig noch unterhaltsamer machen. Zudem werden die Fahrräder noch mehr Erlebnisfunktionen erhalten, zum Beispiel taktile Rückmeldungen am Lenker, Vibrationen sowie visuelle und akustische Signale, die das Radfahren dann in einer realen Umgebung simulieren.


Quelle: bodyLIFE

Bildquelle: pixabay // valkovav

Veröffentlicht am: 7. Dezember 2021

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